
Beschäftigung (?)
Hundeschule, Agility, Obedience, Dog Dance, VPG, THS und was es da nicht alles gibt, vor allen Dingen zig Seiten im Netz... nur
leider musste ich immer wieder feststellen, dass die elementarsten Dinge, wie simples Spazierengehen, wohl nicht zur Beschäftigung mit
dem Hund gehören und deshalb wohl getrost vernachlässigt werden können. Wie sonst ist es zu erklären, dass es bei schlechtem Wetter
kaum einen Hundebesitzer vor die Tür zieht, wobei schlechtes Wetter hier als Begriff für zu warm, zu kalt, zu regnerisch usw. steht.
Richtiges Spazierengehen mit dem Hund bzw. für den Hund ist gar nicht so einfach... aber sehr wichtig. Langeweile oder Überforderung
sind beide nicht sehr gesundheitsfördernd, stellen sich aber schnell ein.
Das schlimmste was mir begegnet sind die 08/15 Läufer, die jeden Tag den gleichen Weg, meist sogar mehrmals am Tag und immer in der
gleichen Richtung, gehen... das ist für einen Hund tödlich. Einerseits stirbt er vor Langeweile, andererseits steigen seine
Besitzansprüche an dieses feste Revier mit jedem Tag. Manchmal kommt es dann zu Fragen wie dieser "Ich versteh das gar nicht, Waldi
ist seit ein paar Tagen so fertig, er frisst kaum und draußen zieht er wie verrückt und muss dauernd pieseln." Der gute Waldi ist
total fertig, weil ein neuer Rüde in "seinem" Revier läuft und Frauchen/Herrchen wundern sich, wenn Waldi zum Berserker wird, wenn sie
nach Wochen angestauter Aggression plötzlich dem Phantom gegenüber stehen, wo Waldi sowas doch noch niiiie gemacht hat.
Spaziergänge
Wenn ihr in der Karte nach oben rechts scrollt, dann seid ihr in unserem Revier erster Ordnung, unser Wohnort Feudenheim ist in
unterschiedliche Reviere aufgeteilt, dass macht das Leben für mich und die Hunde einfacher und auch etwas sicherer. In unser Revier
erster Ordnung gehen wir Abends und meist an der Leine, denn "erster Ordnung" bedeutet es ist unser Jagdrevier. Eurasier haben meist
keinen ausgeprägten Jagdtrieb, aber die Anlage zu guten Hetzjägern, was sie ab und an auch mal ausleben möchten, müssen, können,
dürfen. Hetzjagd bedeutet einfach hinter der Beute herrennen, bis sie müde ist und eingefangen werden kann, hm oder war da noch
etwas...? Ja, da war noch etwas - Hetzjagd ist nicht stumpfes hinterherrennen, es beinhaltet eine unglaubliche Sinnesleistung und jede
Menge Kopfarbeit. Die Beute muss im Auge behalten werden, mögliche Richtungswechsel müssen vorhergesehen werden und das Rudel muss
sich blitzschnell darauf einstellen, die eigenen Resourcen müssen verwaltet werden und auch das muss unter den Hunden reibungslos
ineinander übergehen, sonst ist die Beute verloren.
Jetzt habe ich euch mal ein bisschen beschrieben, warum Hunde jagen so toll finden, es ist eine Art Mannschaftssport, aber natürlich
können wir unsere Hunde nicht einfach so loslaufen lassen, auch wenn es ihnen viel Freude macht, gesund ist und unseren Geldbeutel
schont, weil sie selbst für das Abendessen sorgen. Ich musste meine Hunde Einzel und in der Interaktion miteinander und mit anderen
Hunden sehr genau beobachten, bis ich aus ihrem Verhalten und dem was sie brauchen bzw. am liebsten machen sinnvolle Spiele entwickeln konnte, außerdem stand
mir ein privater Kleintierstreichelzoo zur Verfügung um mit den Hunden zusammen angemessenes Verhalten nachhaltig zu trainieren.
Da ich als "erfahrenstes" Rudelmitglied die Gruppe anführe, obliegt es auch mir in unserem Revier zu bestimmen Wann und vor allem Was
gejagt wird. Ja ihr habt richtig gelesen, ich habe mir diesen Platz erarbeitet und ihn nicht einfach eingenommen weil ich Mensch bin.
Ehrlich gesagt, in manchen Bereichen sind mir die Hunde haushoch überlegen - ich würde einen Feldhasen erst riechen wenn er mir drei
Tage nach seinem Ableben vor die Füsse gelegt wird... dafür kann ich aber Dinge, die meine Eurasier nicht können und die für das
Überleben notwendig sind. Ich kenne Traktoren und die Gefahren die sie bergen, ich kann um Ecken sehen (na ja, wenn ich über halbhohen
Mais einen roten Haarschopf blitzen sehe und meinen Eurasiern freudestrahlend erkläre welcher "Hund" da gerade auf uns zukommt sind
die schon ganz schön verblüfft, wegen der Fülle der Duftspuren brauchen die dazu nämlich länger...) mit anderen Worten, überlistet
eure Hunde, zeigt ihnen was ihr alles Tolles könnt und sie folgen euch völlig freiwillig.
Um das nochmal ganz klar herauszustellen, kein Hund darf unkontrolliert jagen und/oder hetzen und er darf auch kontrolliert
kein Tier töten!
Ich möchte jeden Hundebesitzer dazu anregen, sich ganz genau mit Beutetieren zu befassen und seine Beobachtungen im eigenen Revier
einfließen zu lassen, denn ich habe als Hundebesitzer nicht nur Rechte sondern auch Pflichten. Eine davon ist es z.B. den unter
Naturschutz stehenden Feldhasen unbedingt zu schützen, auch vor meinen eigenen Hunden. Ein Unterschied zwischen Feldhase und Kaninchen
ist die Aufzucht der Jungtiere, Feldhasen gebären nicht in einem Bau, sondern in einer Mulde (nennt man Sasse) mitten im freien Feld.
Um ihre Jungen zu schützen versuchen Feldhasen mögliche Angreifer abzulenken und hetzen in wildem Lauf davon, auch wenn sie denken ihr
Hund ist eh zu langsam, rufen sie ihn ab! Oder verhindern sie überhaupt ein hinterherrennen, denn fünf "zu langsame" Hunde
hintereinander hetzen einen Hasen auch zu Tode!
Im Wald oder in den Obstbaumgehölzen zu stöbern ist für meine Hunde das Größte.

Das ist es was Diva da so begeistert bewacht.
Wenn ihr nach unten links scrollt seid ihr im Revier zweiter Ordnung, dem Freilaufrevier, da wird gespielt, getobt, gearbeitet aber
nicht gejagt! Da treffen wir Freunde und gehen schwimmen, da gibt es Böschungen zum klettern und Obstbaumgehölze zum erkunden. Da darf
man mal den Kopf in einen Kaninchenbau stecken und fragen ob es allen gut geht, aber Frauchen wird ganz schön sauer, wenn die
Spielregeln nicht eingehalten werden. Nachlaufen gilt nicht.
Außerdem gibt es besondere Reviere, da gehen wir nur hin, wenn wir z.B. Leinenpflicht wegen der Tollwutköder haben, weil diese Reviere
aber so etwas besonderes sind ist die Leinenpflicht dann auch gar nicht so schlimm!
So eine Einteilung ist auch praktisch, wenn der Hund mal an der Leine bleiben muss weil er sich verletzt hat oder krank ist. Wenn man
sich ein, zwei interessante Orte aussucht und die durch besondere Spiele oder hundegerechte Routen (auch mal ab vom Weg) zu etwas
besonderem macht, lebt es sich viel unbeschwerter für Hund und Herr bzw. Frau. Bei uns sind das die Naturschutzgebiete, dort muss man
eh an die Leine und sich gut benehmen, dafür gibt es aber jedesmal neue total interessante Treibholzhaufen zu untersuchen und zu
entdecken, natürlich spiele ich dann gelegentlich Leinenmakramee, aber hat ja auch keiner gesagt, dass Hundehaltung immer einfach
ist...
Demnächst gibt es hier auch Artikel zu Sport und Spiel speziell mit dem Eurasier... bis dahin findet ihr auf der LinkListe allerhand zu Spaß, Sport und Spiel.